Zahn- und Zahnfleischprobleme bei Hunden

Zahn- und Zahnfleischprobleme bei Hunden

Zahn- und Zahnfleischprobleme können auch bei Hunden auftreten. Viele Hundehalter machen sich um die Zähne des Hundes nur wenige Gedanken. Doch nur weil der Wolf nicht die Zähne putzt, heißt das nicht, dass der Hund keine Zahnpflege benötigt. In diesem Beitrag erfährst Du, wie Du dafür sorgen kannst, dass Dein Hund keine schmerzhaften Zahn- und Zahnfleischprobleme entwickelt.


Das Hundegebiss

Wie sein Vorfahre der Wolf hat auch der Hund auf den ersten Blick ein typisches Raubtiergebiss. Im vorderen Bereich befinden sich Fang- und Reißzähne, mit deren Hilfe er theoretisch seine Beute greifen und zerreißen kann. Praktisch tut er das aber nur noch selten. Im hinteren Teil des Gebisses befinden sich zudem sogenannte bunodonte Molaren. Das sind mit Höckern versehene Backenzähne, die bis zu einem gewissen Grad das Zerquetschen von Nahrung erlauben. Solche bunodonten Molaren sind typische Allesfresserzähne.

Hunde werden ohne Zähne geboren. Innerhalb der ersten 4-6 Wochen entwickeln sich die Milchzähne, welche nach etwa 6 Monate durch das dauerhafte Gebiss mit meist 42 Zähnen ersetzt werden. Eigentlich ist das Hundegebiss ein Scherengebiss, was bedeutet, dass es sich kaum seitwärts bewegen kann, wie beispielsweise das einer Kuh. Allerdings wurde unlängst festgestellt, dass das Hundegebiss mittlerweile in der Lage ist, auch leichte Seitwärtsbewegungen zu machen.

Die äußere Schicht der Zähne bildet der Zahnschmelz. Es ist das härteste Gewebe im ganzen Körper und stellt eine Art Schutzhülle für den Zahn dar. Der Zahnschmelz bei Hunden ist sogar noch härter als der bei Menschen, weshalb Hunde ein geringeres Risiko haben, Karies zu entwickeln. Zudem ist im Speichel des Hundes kein Verdauungsenzym (Amylase) aktiv, das Mehrfachzucker in Einfachzucker spaltet, welche Kariesbakterien jedoch benötigen.

Das Zahnfleisch liegt um den Zahnhals und schützt diesen so vor Krankheitserregern aus dem Maul. Wie gesund das Zahnfleisch ist, hängt nicht zuletzt von der Ernährung und auch vom "Maulklima" ab, auf das wir später noch eingehen werden. Im gesunden Zustand hat das Zahnfleisch eine blass-rosa Färbung.


Wie erkenne ich Zahn- und Zahnfleischprobleme bei Hunden?

Sicherlich hast Du auch schon einmal Zahnschmerzen gehabt und weißt, wie schlimm diese Schmerzen sein können. Zu erkennen, ob Dein Hund Zahnschmerzen hat, ist aber gar nicht so einfach. Vorbeugend solltest Du die Zähne deines Hundes daher immer mal wieder kontrollieren, bzw. Deinen Tierarzt regelmäßig einen Blick darauf werfen lassen. Du solltest prüfen, ob sich auf den Zähnen Deines Hundes Belag oder gar Zahnstein gebildet hat und ob das Zahnfleisch eine gesunde, rosige Farbe hat.

Trotzdem kann es natürlich passieren, dass Dein Hund Zahn- oder Zahnfleischprobleme entwickelt. Symptome dafür, dass Dein Hund Zahnschmerzen oder andere Probleme wie beispielsweise Entzündungen am Zahnfleisch hat, können sein:

  • Maulgeruch / Mundgeruch beim Hund

  • Verändertes Fressverhalten wie ungewöhnliche Fressunlust

  • Einseitiges Kauen oder verstärktes Kau- und Beißverhalten

  • Plötzliches Aufjaulen beim Fressen

  • Vermehrtes Speicheln

  • Schiefe Kopfhaltung beim Fressen

  • Zähneklappern

  • Wiederholtes Schmatzen, Lecken oder Kratzen am Maul

Wie Du siehst, können verschiedenste Symptome oder Verhaltensweisen Hinweise sein, dass Dein Hund Zahn- oder Zahnfleischprobleme entwickelt hat. Es ist daher natürlich sehr hilfreich, wenn Du die normalen Verhaltensweisen Deines Hundes gut kennst und Abweichungen schnell bemerken kannst. Eine Veränderung der Farbe des Zahnfleisches (es wird dunkler) oder Schwellungen können ein Hinweis sein, dass das Zahnfleisch entzündet ist.


Welche Ursachen können Zahn- und Zahnfleischprobleme haben?

Zahn- und Zahnfleischprobleme werden bei Hunden durch ähnliche Faktoren ausgelöst wie bei uns Menschen. Zwar bekommen Hunde, wie Du weiter oben schon gelesen hast, nicht so leicht Karies, es können sich aber Beläge auf den Zähnen bilden. Beläge können durch Futterreste - besonders weiche Futterkomponenten - entstehen. Die mit Bakterien versetzten Beläge verhärten mit der Zeit durch Mineralstoffe im Speichel. Bei der Bildung von Zahnstein beim Hund spielt sowohl die Menge an Speichel als auch dessen Zusammensetzung eine Rolle. Außerdem wie gesund die Zähne sich entwickelt haben, der Zahnstand und die Bakterienflora im Maul. Durch die Kombination Zahnstein und Bakterien kommt es mit der Zeit zu einer Zahnfleischentzündung.

Bleibt die Zahnfleischentzündung länger unentdeckt, kann daraus eine Parodontitis (Zahnfleischentzündung mit Zahnfleischrückgang) bzw. Parodontose entstehen. Im schlimmsten Fall verliert der Hund Zähne, weil der Halteapparat (Kieferknochen) sich durch die bakterielle Infektion zurückgebildet hat. Auch auf andere Organe im Körper können die Bakterien durch Lymph- und Blutbahnen übergehen und dort weitere Erkrankungen verursachen.

Kleinere Hunderassen sind von Zahn- und Zahnfleischproblemen häufiger betroffen als große Hunderassen. Besonders kleine Hunde mit kurzer Schnauze (z.B. Mops oder Französische Bulldoggen) neigen zu Zahnsteinbildung. Das hat vor allem mit dem kleinen Kiefer zu tun, in dem die Zähne zu eng beieinander stehen und/oder eine Zahnfehlstellung besteht.


Wie kann man Zahn- und Zahnfleischprobleme bei Hunden behandeln?

Hat der Hund einmal Zahnstein entwickelt, ist es sinnvoll, eine professionellen Zahnreinigung beim Tierarzt durchführen zu lassen. Dabei wird der Zahnstein meist mit hilfe von Ultraschallgeräten entfernt. Der Nachteil daran ist, dass der Hund i. d. R. in Narkose gelegt werden muss. Zudem kann die Behandlung sehr teuer werden, die Preisspanne liegt je nach Fall und Tierarzt bei 70 € bis 230 €.

Man kann auch versuchen, den Zahnstein selber zu entfernen. Mithilfe der Gabe der Braunalge Ascophyllum Nodosum kann der Zahnstein etwas aufgeweicht werden und anschließend mit einer Art Schaber vom Zahn gekratzt werden. Dabei muss man jedoch sehr vorsichtig vorgehen, damit das Zahnfleisch nicht verletzt wird. Zudem erreicht man die hinteren Zähne im Maul des Hundes nur schlecht.


Wie kann man Zahn- und Zahnfleischprobleme bei Hunden vorbeugen?

Damit Du Dich gar nicht erst um die Entfernung von Zahnstein bei Deinem Hund kümmern musst, solltest Du dafür sorgen, dass dieser gar nicht erst entsteht. Wie Du schon weißt, ist die Entstehung von Zahnstein von verschiedenen Faktoren abhängig. Nicht alle - wie z. B. Zahnfehlstellungen - kannst Du beeinflussen.

Um die Bildung von Zahnstein zu verhindern, solltest Du darauf achten, dass Dein Hund gesund und ausgewogen frisst. Auch für die Zahngesundheit ist es elementar, dass alle benötigten Nährstoffe in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Mehr dazu, wie Du Deinen Hund füttern solltest, um  Zahn- und Zahnfleischproblemen entgegenzuwirken, erfährst Du weiter unten.
Ein weiterer wichtiger Faktor, um Zahnstein zu verhindern, ist die regelmäßige Reinigung der Zähne. Um die Zähne Deines Hundes sauber zu halten, kannst Du ihm regelmäßig Kauartikel geben, die es in allen möglichen Variationen gibt.

Tierische Kauartikel, die einen hohen Anteil Bindegewebe enthalten, wie Ochsenziemer, Rinderkopfhaut oder getrockneter Pansen solltest Du Deinem Hund jedoch nicht öfter als 1 x pro Woche geben. In hohen Mengen können sie zu Darmproblemen führen, da sie sehr schwer verdaulich sind. Durch eine häufige Fütterung können sich im Darm Clostridien vermehren. Diese verdrängen wichtige andere Bakterien, welche entzündungshemmende Stoffe produzieren und belasten die Ausscheidungsorgane (Leber und Nieren) mit Giftstoffen.

Knochen können sowohl der Zahnreinigung als auch für die  Calcium Versorgung dienen. Aber Achtung! Ist Dein Hund ein starker Schlinger, können Knochen sogar gefährlich für ihn werden. Es kann passieren, dass er zu große Teile runter schlingt und diese dann an zu engen Stellen steckenbleiben (Erstickungsgefahr). Auch bei einer falschen Fütterung (z. B. zu große Mengen oder ganz ohne Fleisch) können Probleme entstehen wie starke Verstopfung (Knochenkot) oder gar ein lebensgefährlicher Darmverschluss. Möchtest Du Knochen füttern und so auch die Calciumversorgung sichern, solltest Du daher unbedingt auf die richtige Menge und Handhabung achten.

Du kannst Deinem Hund auch die Zähne putzen, das ist eine relativ einfache und effektive Variante, um die Zähne sauber zu halten. Dabei solltest Du jedoch einiges beachten.


Wie putze ich die Zähne meines Hundes?

Damit die Zähne Deines Hundes auch wirklich davon profitieren, solltest Du sie regelmäßig putzen. Das muss nicht unbedingt täglich sein, 2-3-mal die Woche kann je nach individuellem Hund ausreichen. Wichtig ist, dass Du die Zähne deines Hundes regelmäßig einer Kontrolle unterziehst. Wenn sich auf den Zähnen Deines Hundes dauerhafte Beläge bilden, solltest Du öfter putzen.

Ebenfalls sehr wichtig ist, dass Du eine Zahnpasta für Hunde benutzt. Wie Du schon weißt, hat Dein Hund einen etwas anderen Zahnschmelz als wir Menschen. Eine Zahnpasta für Hunde ist speziell dafür konzipiert. Zudem kann Zahnpasta für Menschen auch Stoffe enthalten, die für den Hund giftig sind, wie z. B. Xylit.

Damit Dein Hund sich effektiv die Zähne putzen lässt, solltest Du ihn langsam daran gewöhnen. Optimal ist es natürlich, wenn Du schon beim Welpen damit anfängst. Mit etwas Geduld kannst Du aber auch einen erwachsenen Hund noch an das Zähneputzen gewöhnen. Am besten machst Du ein Ritual daraus, indem Du Deinem Hund die Zähne jeden Tag zur gleichen Zeit putzt (z. B. immer vor dem Schlafengehen wie bei Dir selber). Vor allem in der ersten Zeit kann es hilfreich sein, wenn Du Deinen Hund für das Zähneputzen belohnst. Optimalerweise natürlich mit einem Snack, der die Zahngesundheit unterstützt.

Es gibt spezielle Zahnbürsten für Hunde, die eine Doppelbürste haben und so die Reinigung von beiden Zahnseiten gleichzeitig erlauben. Du kannst aber auch eine Kinderzahnbürste nutzen oder sogar einen Stoff-Fingerling (gibt es für Babys, sogar aus antibakteriellem Material). Mit dem Fingerling kannst Du leicht an alle Zähne kommen, ohne das Zahnfleisch dabei versehentlich zu verletzen. Welche Variante für Dich und Deinen Hund die beste ist, solltest Du ausprobieren.


Welche Rolle spielt die Ernährung bei Zahn- und Zahnfleischproblemen bei Hunden?

Wie weiter oben schon erwähnt, sollte Dein Hund mit allen benötigten Nährstoffen gut versorgt sein. Besonders wenn Du kein Fertigfutter fütterst, ist es wichtig darauf zu achten, dass keine Nährstoffe zu kurz kommen. Im Zweifelsfall kannst Du für Deinen Hund einen Futterplan erstellen lassen. Calcium und auch Vitamin D spielen für die Gesundheit von Knochen und Zähnen eine besonders wichtige Rolle. Calcium hält die Knochen und Zähne stabil und Vitamin D fördert die Aufnahme von Calcium. Ein Vitamin-D-Mangel stellt einen Risikofaktor für Zahnverlust dar. Phosphor im Überschuss kann die Verwertung von Calcium beeinträchtigen und so zu einer Mangelversorgung der Zähne führen. Das Calcium-Phosphor-Verhältnis sollte daher immer etwa 1,3:1 betragen. Auch Magnesium stärkt die Stabilität der Zähne und Vitamin C unterstützt gesundes Zahnfleisch.

Um Entzündungen vorzubeugen, kannst Du außerdem hin und wieder entzündungshemmende Komponenten in die Fütterung Deines Hundes integrieren wie Kokosöl, Kurkuma oder auch Ingwer. Löwenzahn und Brennnessel wirken ebenfalls hemmend auf Entzündungen und regen den Stoffwechsel an. Auch Ballaststoffe spielen eine wichtige Rolle, weil sie die Bildung von Bakterien im Darm fördern, die Entzündungen hemmen können. Was Du sonst noch zur Darmgesundheit wissen solltest, kannst Du HIER nachlesen.


Fazit

Falls Dein Hund eine Zahnfleischentzündung entwickelt hat, ist der Gang zum Tierarzt unumgänglich. Zahnschmerzen können sehr schlimm sein und Du solltest im Fall eines Verdachts nicht zögern. Damit es soweit nicht kommt, ist die Zahnhygiene der wichtigste Faktor. Über die Ernährung kannst Du schon beim Welpen die Zahngesundheit und auch das Immunsystem Deines Hundes stärken. Wenn Du Deinen Hund regelmäßig mit Zahngesundheit unterstützenden Snacks und Kauartikeln versorgst, ihm regelmäßig die Zähne putzt und darauf achtest, dass sich keine dauerhaften Beläge entstehen, sind die Weichen bestmöglich gestellt, Zahn- und Zahnfleischprobleme zu vermeiden.

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