Harnwege bei Hunden

Harnwege bei Hunden

Wie sind die Harnwege bei Hunden aufgebaut und was zählt alles dazu?
Zu den Harnwegen zählen die Nieren mit den Nierenbecken, die Harnleiter, welche die Nieren mit der Blase verbinden, sowie die Harnröhre, die die Verbindung zur Außenwelt darstellt. Zunächst produzieren die Nieren den Urin. Dessen Aufgabe ist es, Giftstoffe auszuleiten sowie auch den Wasserhaushalt zu regulieren. Der Urin wird im Nierenbecken gesammelt und dann über die Harnleiter an die Blase weitergegeben.
Von dort aus wird der Urin über die Harnröhre an die Außenwelt abgegeben. Die Harnwege des Hundes bestehen also aus:
  • Nieren
  • Harnleitern
  • Blase
  • Harnröhre
Die Nieren sind ein Entgiftungsorgan und filtern aus dem Blut sogenannte harnpflichtige Substanzen. Das sind kleinmolekulare körpereigene Abbauprodukte des Stoffwechsels wie Kreatinin, Harnstoff, Harnsäure und Ammoniak, welche über die Harnwege mit dem Urin ausgeschieden werden.
Welche Erkrankungen können die Harnwege beeinträchtigen? 
Da die Harnwege wie oben beschrieben aus verschiedenen Bestandteilen bestehen, wollen wir uns im Folgenden die möglichen Erkrankungen im Einzelnen anschauen.

1. Akute und chronische Niereninsuffizienz

Eine Niereninsuffizienz kann sowohl akut auftreten als auch chronisch bestehen. Bei unseren Hunden kommt es in den allermeisten Fällen zur chronischen Niereninsuffizienz aufgrund altersbedingter pathologischer Veränderungen, welche die Ausscheidungsfunktionen der Nieren beeinträchtigen. Da die Nieren über eine sehr hohe Kompensationsfähigkeit verfügen, werden Schäden erst spürbar, wenn sie schon sehr weit fortgeschritten sind. Während das Entgiftungsorgan Leber sehr regenerationsfähig ist, ist zumindest bei einer chronischen Niereninsuffizienz schon ein Großteil des Gewebes zerstört und kann auch nicht wieder regenerieren. Daher ist eine chronische Niereninsuffizienz nicht heilbar, sondern allenfalls behandelbar. Nur bei einer akuten Niereninsuffizienz, wenn eine schnelle Diagnose und Therapie erfolgen, ist eine Regeneration des Nierengewebes möglich. Die akute Niereninsuffizienz kommt beim Hund jedoch, wie schon erwähnt, nur selten vor. Ist die Niere nicht mehr in der Lage, Gift- und Abfallstoffe aus dem Körper auszuscheiden, kommt es zu einer Rückvergiftung des Organismus, bzw. höheren Konzentrationen von harnpflichtigen Substanzen im Körper.

Symptome einer chronischen Nierenschwäche können sein:

  • Gesteigerter Durst, erhöhte Urinabgabe
  • Schwäche, gestörtes Allgemeinbefinden
  • Appetitlosigkeit durch Übelkeit
  • Erbrechen, Durchfall
  • Gewichtsabnahme
  • Schlechter Maul- und Körpergeruch
  • Struppiges Fell, Schuppen, fehlender Glanz, Juckreiz
  • Linsentrübungen

Neben dem Alter und den degenerativen Entwicklungen kommen noch einige weitere und verstärkende Ursachen in Frage:

  • Genetische Disposition
  • Falsche Fütterung (jedoch umstritten)
  • Toxine, Arzneimittel  etc. die den Organismus belasten
  • Chronische Entzündungen und immunologische Vorgänge
  • Traumata (Verletzungen) oder auch erzwungenes Harnverhalten (Hund kommt zu wenig raus, um Urin abzusetzen)
  • Herzerkrankungen
  • Tumore

Behandlung und Ernährung bei der Niereninsuffizienz

Da eine eingeschränkte Niere nicht mehr in der Lage ist, harnpflichtige Substanzen und Schadstoffe in ausreichendem Maße aus dem Blut zu filtern und auszuscheiden, muss natürlich auf die Schadstoffbelastung aus Umwelt, Medikamenten und Nahrung geachtet werden. Dies im besonderen Maße, da eine chronische Nierenerkrankung mit einer dauerhaft geschädigten Niere einhergeht, welche man nicht mehr regenerieren, sondern lediglich unterstützen und entlasten kann.

Ist die Nierenleistung eingeschränkt, hat dies besonderen Einfluss auf die Nährstoffe  Calcium, Phosphor, Vitamin D und Kalium. Daher sollte bei der Fütterung beachtet werden:
  • Phosphor und Natrium in der Ernährung reduzieren
  • Hochwertige, leicht verdauliche Proteine - nicht über den Bedarf füttern und keine bindegewebsreichen Schlachtabfälle
  • Auf die Versorgung mit entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäuren achten
  • Auf eine ausreichende Versorgung mit Calcium achten
  • Erhöhte Zufuhr von Vitamin D
  • kaliumreiche Nahrungsmittel wie Kartoffeln füttern
  • Kräuter zufüttern, die die Nieren und Harnwege  in ihrer Leistung unterstützen können wie Petersilie, Goldrute, Ackerschachtelhalm, Birkenblätter, Löwenzahn
Natürlich sollte man bei einem Hund mit einer Niereninsuffizienz eine ausreichende Versorgung mit Flüssigkeit sicherstellen.

2. Harnröhren- und Blasenentzündung

Die Harnröhren- und Blasenentzündung treten meist gemeinsam auf. Die Entzündung beginnt in der Harnröhre und breitet sich weiter in die Blase aus. Die Ursache sind meistens Bakterien, die von außen eindringen und ein geschwächtes Immunsystem, das die Ausbreitung begünstigt. Auch eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme kann eine Entzündung der Blase und Harnröhre begünstigen, da die Bakterien nicht mehr ausreichend mit Urin ausgeschwemmt werden. Die Erkrankung Diabetes kann ebenfalls eine Entzündung fördern, da die Zusammensetzung des Urins sich dabei verändert. Bei Hündinnen tritt eine Blasenentzündung aufgrund ihrer kürzeren Harnröhre häufiger auf.

Symptome

Symptome für eine Entzündung dieses Bereichs der Harnwege können z. B. sein, dass der Hund häufiger, dafür jedoch nur wenig Urin absetzt. Auch ein gekrümmter Rücken beim Urinieren kann ein Hinweis sein, dass der Hund unter Schmerzen leidet. Aufgrund des schmerzbedingten Zurückhaltens des Urins kann es dazu kommen, dass der Hund nicht mehr stubenrein ist. Der Urin kann rot gefärbt oder trüb sein oder es können Schleimbeimengungen enthalten sein. Ebenfalls kann sich das Trinkverhalten von Deinem Hund ändern, so dass er nur noch wenig oder gar nicht trinkt.

Therapie

Bei einer nachgewiesenen Blasen- oder Harnröhrenentzündung wird der Tierarzt eventuell Antibiotika verschreiben. Wichtig ist auf jeden Fall, dafür zu sorgen, dass Dein Hund ausreichend Flüssigkeit aufnimmt. Zudem kann es sinnvoll sein, den Harn anzusäuern. Ein höherer pH-Wert wirkt gegen die Bakterien und somit die Entzündung. Auch hierfür kann der Arzt Medikamente verordnen, die z. B. den Wirkstoff Methionin enthalten. Auch die D-Mannonse, ein Zucker, wird häufig gegen Entzündungen in den Harnwegen angewendet. Sie verhindert das Anheften der pathogenen Keime an die Wände der Harnwege. Diese Fähigkeit besitzen ebenfalls Cranberries: in Studien zeigte sich, dass die kleinen Beeren Bakterien davon abhalten können, sich an den Wänden der Harnwege festzusetzen.

3. Verschiedene Steine in den Harnwegen

Auch Hunde können Harnsteine entwickeln. Es handelt sich dabei um kristalline Ablagerungen, welche sich unterscheiden können in Zusammensetzung und Größe. Die Ablagerungen werden in der Niere gebildet und können sich dann in verschiedenen Bereichen der Harnwege festsetzen, was meist in der Blase geschieht. 

Je nach Ursache der Steinbildung können sich verschiedene Steine bilden, man unterscheidet beispielsweise Cystin-, Urat-, Calciumoxalat- oder auch Struvitsteine. 

Vor allem bei Hündinnen treten häufig Struvitsteine auf. Sie können z. B. als Folge einer bakteriellen Entzündung in den Harnwegen entstehen. Wie Du schon weißt, haben Hündinnen eine kürzere Harnröhre und neigen eher zu Entzündungen. Bei Rüden entwickeln sich dagegen eher andere Steinformen. Auch wenn junge Hunde Steine in den Harnwegen entwickeln, handelt es sich meist um Struvitsteine.

Eine erhöhte Zufuhr von Mineralstoffen kann die Bildung von Kristallen und Steinen begünstigen, sowie eine zu geringe Aufnahme von Flüssigkeit.

Calciumoxalatsteine kommen meist bei Rüden vor, am häufigsten wenn diese übergewichtig und/oder kastriert sind. Sie sind meist nicht auf eine Entzündung der Harnwege zurückzuführen, sondern stehen in Verbindung mit einem erhöhten Calciumspiegel. Dieser muss nicht unbedingt mit einer zu hohen Claciumzufuhr in Verbindung stehen, sondern kann auch durch Medikamente oder andere bestehende Krankheiten hervorgerufen werden.

Uratsteine kommen bei Dalmatinern besonders häufig vor, da diese nicht selten an einer erblich bedingten Purinstoffwechselstörung leiden. Auch Lebererkrankungen wie der portosystemische Shunt können Uratsteine hervorrufen.

Symptome von Harnsteinen können sein:

  • Verhalten wie bei einer Blasenentzündung, also z. B. häufiger Harndrang mit wenig Urin
  • Vermeidung von Schmerz durch Rückenkrümmung oder auch Laute, die auf Schmerz hindeuten
  • Trüber, blutiger oder schleimiger Urin

Risikofaktoren für die Bildung von Harnsteinen sind:

  • Überversorgung mit Mineralstoffen wie z. B. Calcium
  • Andere vorliegende Erkrankungen wie Cushing Syndrom, Lebershunt oder auch angeborene Stoffwechselstörung (Dalmatiner)
  • Gabe von Medikamenten
  • Überhöhte Aufnahme von Oxalsäure über Nahrungsmittel wie z. B. Spinat, Mangold oder auch Rote Beete
Die Therapie von Harnsteinen richtet sich immer nach der Steinart. Dein Tierarzt wird entsprechend entscheiden, ob man über das Futter oder Medikamente intervenieren kann oder ob in seltenen Fällen eine Operation nötig ist.
Woran erkenne ich, wenn die Harnwege bei Hunden Probleme bereiten?
Wie Du nun weißt, können die Harnwege von einer Reihe Problemen betroffen sein. Während die Niereninsuffizienz an erster Stelle mit degenerativen Prozessen einher geht, werden Entzündungen der Harnwege und Steinbildungen häufig durch Bakterien und eine geschwächte Immunabwehr ausgelöst. Zudem besteht eine Wechselwirkung: Entzündungen können Steine begünstigen, Steine jedoch auch Entzündungen. Auch der pH-Wert kann unterschiedlich wirken, einige Steine werden durch einen zu niedrigen pH-Wert begünstigt, andere durch einen zu hohen.

Vor allem wenn Dein Hund sein Verhalten beim Urinieren verändert, also z. B. plötzlich viel häufiger Urin absetzt, nachts inkontinent wird oder Dich häufiger weckt, weil er raus muss, solltest Du aufmerksam werden. Wenn sich die Farbe des Urins verändert, kann dies ebenfalls ein wichtiger Hinweis sein. Auch eine Veränderung im Durstverhalten kann auf eine Erkrankung der Harnwege hinweisen.
Welchen Einfluss hat die Ernährung auf die Harnwege?
Bei der Niereninsuffizienz ist es nicht eindeutig geklärt, inwieweit die Ernährung hier tatsächlich Einfluss nimmt. Wie Du aber bereits gelesen hast, kann die Ernährung sehr wohl Einfluss darauf nehmen, ob Entzündungen oder auch Steine in den Harnwegen entstehen. So kann eine stark erhöhte Gabe von Mineralstoffen zur Steinbildung führen. Eine Ernährung, die den pH-Wert des Urins ungünstig beeinflusst, kann sowohl Entzündungen fördern als auch die Bildung von Steinen.

Auch der Darm ist wie bei den meisten Erkrankungen ein Indikator, der eine Rolle spielen kann. Eine Ernährung mit einem geringen Anteil an Ballaststoffen kann dazu führen, dass vermehrt entzündungsfördernde Bakterien gebildet werden. Es kann so zu einer Schwächung der Immunabwehr kommen und die Aufnahme und Verbreitung von Krankheitskeimen begünstigt werden.

Eine ausgewogene Fütterung und Versorgung mit allem Nährstoffen ist also auch für die Entwicklung von Erkrankungen der Harnwege wichtig.
Was kann man tun, wenn Hunde geschädigte Harnwege haben?
Leidet Dein Hund schon an einer Erkrankung der Harnwege, sollte die Ernährung und Versorgung auf die individuelle Erkrankung abgestimmt werden. Allgemein kann man die Harnwege unterstützen, indem man z. B. Kräuter wie Petersilie oder auch Brennnessel zum Futter gibt. Auch die Cranberry kann hilfreich sein, da sie dem Andocken von Keimen in den Harnwegen entgegenwirkt.
Zudem solltest Du natürlich das Trinkverhalten deines Hundes im Auge haben und eventuell unterstützen, falls er zu wenig Flüssigkeit aufnimmt.

Dazu kannst Du beispielsweise:
  • Das Futter zusätzlich wässern, damit er mit der Ernährung mehr Flüssigkeit aufnimmt
  • Dem Trinkwasser etwas Milch zugeben (keine oft empfohlene Brühe, da diese stark salzhaltig ist)
  • Deinem Hund Regenwasser anbieten. Dieses enthält weniger Kalk und wird daher oft lieber getrunken

Wie kann man geschädigte Harnwege bei Hunden vermeiden? 

Damit Dein Hund gar nicht erst an einer Erkrankung der Harnwege leiden muss, kannst Du einiges berücksichtigen. Vor allem wenn Dein Hund schon älter ist, kannst Du ihn unterstützen, indem Du ihm regelmäßig Kräuter wie Petersilie, Löwenzahn oder auch Brennnessel zum Futter gibst. Damit werden die Harnwege und auch die Ausscheidung schädlicher Stoffe gefördert. Auch die gelegentliche Gabe von Cranberries kann die Gesundheit der Harnwege unterstützen. Zudem solltest Du die Darmgesundheit Deines Hundes pflegen, damit sein Darm viele Bakterien gegen Entzündungen beherbergt. Außerdem kann man im Alter besonders darauf achten, dass die gesamte Ernährung nierenschonender wird, indem man dem älteren Hund z. B. keine Schlachtabfälle mit einem hohen Anteil Bindegewebe mehr gibt (wie Pansen). Damit unterstützt man die wichtige Darmgesundheit und schont auch die Leber.

Eine allgemein gesündere Lebensweise ist auch im Bezug auf Erkrankungen der Harnwege sehr wichtig. Die Zufuhr von Schadstoffen oder auch Medikamenten sollte möglichst niedrig gehalten werden. Damit werden die Harnorgane entlastet, die diese Stoffe ja wieder abbauen müssen und es wird so einer Überlastung entgegengewirkt.

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