Gelenkschmerzen bei Hunden

Gelenkschmerzen bei Hunden

Gelenkschmerzen beim Hund sind keine Seltenheit, denn Erkrankungen des Bewegungsapparates kommen auch bei Hunden relativ häufig vor. Ca jeder 4. Hund in Deutschland leidet an einer chronischen Gelenkerkrankung. Schon im Welpenalter werden die Weichen für einen robusten und stabilen Bewegungsapparat gestellt. Als Hundehalter kannst Du einiges tun, um Knochen, Bänder, Sehnen und Co Deines Hundes möglichst lange gesund zu erhalten. Aber auch, wenn Dein Hund schon eine Erkrankung des Bewegungsapparates entwickelt hat, gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, den Gelenkschmerzen beim Hund entgegenzuwirken.

Großwüchsige Hunderassen sind besonders häufig von Erkrankungen des Bewegungsapparates betroffen. Neben genetischen Faktoren spielt die Ernährung eine große Rolle. Während die Endgröße zwar feststeht, kann die Wachstumsgeschwindigkeit variieren. Der wahrscheinlich größte Risikofaktor für die Entwicklung von Erkrankungen des Bewegungsapparates ist eine Wachstumsbeschleunigung durch Überfütterung. Die Überversorgung mit Energie führt dazu, dass das Skelett zu schnell wächst und es zu Mikroverletzungen in den Wachstumszonen oder auch im Bereich des Gelenkknorpels kommt. Der Hund ist folglich von Anfang an mit einem instabilen Bewegungsapparat ausgestattet.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Hormonhaushalt. Eine frühe Kastration führt durch den veränderten Hormonhaushalt dazu, dass das Längenwachstum zunimmt. Die Knochen entwickeln sich weniger robust und Gelenke, Bänder, Bindegewebe und Muskulatur werden nicht ausreichend verstärkt. Um dem Bewegungsapparat, bzw. dem gesamten Organismus die Möglichkeit zu geben, vollständig auszureifen, sollte mit einer Kastration gewartet werden, bis der Hund vollständig erwachsen ist. Das kann je nach Hunderasse bis zu 3 Jahre dauern.

Doch auch, wenn der Hund bei der Kastration schon erwachsen ist, steigt damit das Risiko für Skeletterkrankungen. Durch den Wegfall der Hormone werden Muskulatur und Bindegewebe geschwächt. Besonders für Hunderassen, die sowieso schon eine genetische Prädisposition für Gelenkserkrankungen haben, steigt das Risiko dann massiv. Deutsche Schäferhunde entwickeln zum Beispiel häufig eine Hüftgelenksdysplasie. Werden sie dann noch kastriert, verdoppelt sich die Wahrscheinlichkeit für eine Erkrankung des Bewegungsapparates.

Neben der Überfütterung beim Welpen stellt Überfütterung, bzw. Übergewicht natürlich auch für den erwachsenen Hund einen sehr großen Risikofaktor für eine Erkrankung des Bewegungsapparates dar.


Woran erkenne ich Gelenkschmerzen beim Hund?

Dein Hund kann Dir leider nicht mitteilen, dass er möglicherweise Schmerzen hat. Daher ist es wichtig, Deinen Hund immer zu beobachten, um eine Abweichung vom normalen Verhalten erkennen zu können. Gelenkschmerzen beim Hund sind nicht immer leicht zu erkennen und können sich auch durch recht unspezifische Symptome äußern. So kann es z. B. zu vermindertem Appetit kommen oder sogar zu Verstopfung, weil der Hund Schmerzen beim Absetzen des Kots verspürt.

Typische Symptome, die auf Gelenkschmerzen beim Hund hindeuten können, sind:

  • Lahmheit oder Humpeln

  • Steife Gangart vor oder auch nach Aktivität

  • Vermeidung von Aktivität, reduzierte Mobilität

  • Probleme beim Treppenlaufen oder dabei, auf etwas rauf oder von etwas runterzuspringen

  • Knurren beim Anfassen bestimmter Körperstellen oder Ausweichen

  • Anzeichen von Stress oder Schmerz wie Hecheln

Wirkt Dein Hund steif, will nicht mehr auf sein geliebtes Sofa springen oder knurrt Dich plötzlich an, wenn Du ihm über den Rücken streichelst, solltest Du die Möglichkeit von Gelenkschmerzen beim Hund in Betracht ziehen.


Welche Ursachen können Gelenkschmerzen beim Hund haben?

Zeigt Dein Hund eines oder mehrere der obengenannten Symptome, können unterschiedliche Erkrankungen des Bewegungsapparates dahinter stecken. Im Folgenden wollen wir kurz die häufigsten Ursachen von Gelenkschmerzen beim Hund erläutern.

Osteoarthritis und Arthrose beim Hund

Arthritis oder Arthrose treten vor allem bei älteren Hunden auf. Besonders übergewichtige Hunde leiden unter diesen schmerzhaften Gelenkserkrankungen. Bei der Arthrose handelt es sich um eine chronische Gelenkserkrankung, die durch Abnutzung und Verschleiß der Gelenke bedingt ist. Wird hingegen eine Arthritis diagnostiziert, sind die Gelenke entzündet. Eine Arthritis, z. B. ausgelöst durch eine bakterielle Infektion, kann auch zu bleibenden Schäden und so zu einer Arthrose führen. Verletzungen an den Gelenken bilden ein Risiko für eine Arthritis, da der Gelenkinnenraum für Krankheitserreger geöffnet wird. Risikofaktor für die Arthrose sind neben dem Alterungsprozess und Übergewicht zudem Fehlbelastungen und/oder Überlastungen der Gelenke.

Hüftgelenksdysplasie

Die Hüftgelenksdysplasie stellt eine Entwicklungsanomalie am Oberschenkel des Hundes dar, die meist genetisch bedingt ist. Sie betrifft vor allem große und schnellwüchsige Hunderassen - Deutsche Schäferhunde, Boxer und Rottweiler sind besonders häufig betroffen. Bei der Hüftgelenksdysplasie, kurz auch HD genannt, besteht eine Fehlbildung am Oberschenkelkopf und/ oder der Hüftgelenkspfanne, in welcher dieser liegt. Diese Fehlbildung entwickelt sich während der Wachstumsphase und kann durch entsprechende Untersuchungen schon recht früh erkannt werden. Aufgrund der Fehlbildung kann es im Laufe der Zeit verstärkt zu Abnutzungserscheinungen kommen. Ob und wann es zu Symptomen kommt, kann jedoch stark variieren und von verschiedenen Faktoren wie Ernährung, Hormonhaushalt oder auch Bewegung beeinflusst werden. Bei einem Hund mit einer entsprechenden genetischen Disposition sollte man daher besonders auf eine ausgewogene und artgerechte Ernährung achten, eine Kastration gut abwägen und keine stark belastenden Aktivitäten betreiben.

Ellenbogendysplasie

Wie die HD stellt auch die Ellenbogendysplasie in erster Linie eine genetisch bedingte Erkrankung dar, bei der eine Fehlbildung des Ellenbogengelenks entsteht. Diese Fehlbildung führt wie bei der HD im Laufe der Zeit zu verstärkter Abnutzung und kann so Gelenkschmerzen beim Hund verursachen. Als Beschleuniger gelten eine Überversorgung mit Energie, welche das Wachstum beschleunigt, ebenso wie Übergewicht.

Spondylose

Bei der Spondylose handelt es sich um eine Erkrankung der Wirbelsäule. Durch geschwächte Bänder, Bandscheiben, Muskeln und/oder Sehnen entwickelt sich eine Art Selbsthilfe des Körpers: es entstehen Verknöcherungen zwischen den einzelnen Wirbeln, um den Rücken so zu stabilisieren. Eine solche Schwächung kann sowohl erblich bedingt sein, als auch durch frühe Kastration, Nährstoffdefizite oder auch Fehlbelastungen begünstigt werden. Die Verknöcherungen entstehen an den Stellen der Wirbelsäule, welche am stärksten belastet werden. Die Spondylose tritt meist in Schüben auf und kann sich über die ganze Wirbelsäule weiterentwickeln. Sobald die Verknöcherung der einzelnen Wirbel abgeschlossen ist, ist der Hund meist schmerzfrei. Allerdings wird die Beweglichkeit mit dem Fortschreiten der Erkrankung immer weiter eingeschränkt.


Wie werden Gelenkschmerzen diagnostiziert?

Besteht der Verdacht, dass Dein Hund an Gelenkschmerzen leidet, solltest Du baldmöglichst den Tierarzt aufsuchen, um Deinen Hund von den Schmerzen zu befreien. Neben den beschriebenen Symptomen und Bewegungstests kann Dein Tierarzt mithilfe weiterer Untersuchungsmöglichkeiten wie Röntgen, Ultraschall, Computertomografie (CT) oder Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) eine Diagnose stellen. Wenn Du einen Hund hast, bei dem eine genetische Prädisposition z. B. für eine HD besteht, kannst Du Deinen Hund mit etwa 12 Monaten darauf untersuchen lassen.

Wie können Gelenkschmerzen beim Hund behandelt werden?

Wenn akut Schmerzen bestehen, geht es erst einmal darum, den Hund von seinen Schmerzen zu befreien. Hier können Schmerzmittel zum Einsatz kommen, die der Tierarzt Deinem Hund verschreibt. Zusätzlich zu den Schmerzmitteln kannst Du mit Deinem Hund einen Physiotherapeuten aufsuchen, Deinem Hund also eine Krankengymnastik zukommen lassen. Durch Massagen, Dehnung oder auch gezielte Stärkung der Muskulatur kann der Physiotherapeut die Linderung der Gelenkschmerzen beim Hund unterstützen. 

Auch über die Ernährung kannst Du Deinen Hund unterstützen, wenn er an Arthrose und Co leidet. An erster Stelle solltest Du darauf achten, dass Dein Hund alle wichtigen Nährstoffe erhält:

  • Für einen gesunden Bewegungsapparat sind z. B. Calcium oder auch Vitamin D ausgesprochen wichtig.

  • Unbedingt solltest Du darauf achten, dass Dein Hund ausreichend mit essentiellen Fettsäuren versorgt ist. Die essentielle Fettsäure Omega-3 spielt eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Entzündungen.

  • Auch Vitamin C kann sich als nützlich erweisen, weil es wichtig ist für die Biosynthese von Kollagen, welches ein Strukturprotein im Bindegewebe darstellt.

  • Zink hat eine antientzündliche Wirkung und erhöht die Regeneration von Kollagen.

Neben der normalen Ernährung kannst Du Deinen Hund mit weiteren Komponenten versorgen, welche sich positiv auf die Gelenkschmerzen beim Hund auswirken können, wie zum Beispiel:

  • Weihrauch hat eine schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung und wird auch bei Menschen häufig in der Therapie von Gelenkserkrankungen eingesetzt.

  • Hyaluronsäure ist ein Polysaccharid und wichtiger Bestandteil des Bindegewebes. Sie hat eine hohe Fähigkeit Wasser zu binden und wirkt in den Gelenken wie Schmiermittel. Außerdem wirkt sie im Gelenk wie eine Art Stoßdämpfer und hat entzündungshemmende Eigenschaften.

  • Glucosamin ist ein Aminozucker und wird für den Aufbau und Erhalt des Gelenkknorpels benötigt. Zudem wirkt es entzündungshemmend und regt die Bildung von Kollagen in den Knorpelzellen an. Der gesamte Gelenkstoffwechsel wird durch Glucosamin reguliert.

  • Chondroitin ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Knorpelgewebes und macht den Knorpel widerstandsfähiger gegen Druck und Belastung.

  • MSM (Methylsulfonylmethan) ist eine organische Schwefelverbindung, welche eine schmerzlindernde, entzündungshemmende und antioxidative Wirkung hat und zudem Enzyme hemmen kann, welche Knorpelabbau fördern. 

Bewegung ist ein weiterer wichtiger Faktor, wenn es um die Regeneration von Gelenken geht. Nur über die Bewegung können Gelenkknorpel ausreichend mit Nährstoffen versorgt und Abfallstoffe abtransportiert werden. Nicht umsonst gibt es den Spruch "Wer rastet, der rostet".

 

Wie kann man Gelenkschmerzen beim Hund vorbeugen?

Damit Dein Hund gar nicht erst unter Gelenkschmerzen leiden muss, kannst Du auch vorbeugend eine Menge tun. Das fängt damit an, dass Du schon beim Welpen/Junghund auf eine gute Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen achtest. Eine Überversorgung mit Energie kann dazu führen, dass Dein Hund zu schnell wächst und sein Bewegungsapparat von Anfang an unstabil ist. Ebenso kann sich eine frühe Kastration sehr negativ auf die Gesundheit und Stabilität von Knochen, Sehnen, Bändern und Muskulatur auswirken.

Bewegung ist ein wichtiger Faktor, um die Gelenke gesund zu erhalten. Durch Bewegung werden die benötigten Nährstoffe in den Knorpel gepumpt, zudem wirkt sich Bewegung positiv auf die Konsistenz der Gelenkflüssigkeit aus. Das ist auch schon beim Junghund wichtig, damit sich ein stabiles Skelett entwickeln kann. Allerdings sollte vor allem in der Wachstumsphase auf eine starke Beanspruchung der Gelenke verzichtet werden. Treppensteigen ist zwar erlaubt, sollte jedoch maßvoll erfolgen (also den Welpen zum Beispiel nicht die Treppe rauf oder runter sprinten lassen). Auch Zerrspiele oder das Fangen von Frisbees sollte man während der Wachstumsphase lieber unterlassen, da die dabei entstehenden Bewegungen für die Gelenke sehr belastend sein können. 

Besonders wenn Du einen Hund mit einer genetischen Prädisposition für Gelenkschmerzen hast, kannst Du die Ernährung Deines Hundes mit weiteren Stoffen, wie oben schon erwähnt, aufpeppen, die die Stabilität und Regeneration der Gelenke unterstützten können. Achte darauf, dass Dein Hund zwar ausreichend, jedoch nicht unnötig belastende Bewegung hat.

Besondere Aufmerksamkeit sollte man natürlich dem alten Hund widmen, denn bei diesem ist das Risiko, an Gelenkschmerzen zu leiden, am größten.

Übergewicht sollte nicht nur im Hinblick auf den Bewegungsapparat, sondern auch eine Vielzahl anderer Erkrankungen immer vermieden werden.

Dein Hund kann nicht sprechen, daher ist es wichtig, dass Du seine Körpersprache verstehen lernst. So kannst Du Verhaltensänderungen bemerken, die auf Schmerzen hindeuten könnten.

Wie Du siehst, kannst Du auch vorbeugend eine Menge dafür tun, dass Dein Hund einen stabilen Bewegungsapparat entwickelt und dass dieser möglichst lange erhalten bleibt. So kannst Du die Wahrscheinlichkeit, dass Dein Hund irgendwann einmal an Gelenkschmerzen leidet, deutlich senken. Sollte Dein Hund trotzdem irgendwann Gelenkschmerzen entwickeln, kannst Du Deinen Hund auch im Ernstfall sehr gut unterstützen. 

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