Verdauungsprobleme bei Hunden

Verdauungsprobleme bei Hunden

"Der Darm ist der Vater aller Trübsal" sagte einst der griechische Arzt der Antike Hippokrates. Heute wissen wir, dass er mit dieser Unterstellung durchaus nicht übertrieben hat, denn die Darmgesundheit wirkt sich auf den gesamten Organismus des Hundes aus.

Der Darm ist nicht nur verantwortlich dafür, die Nährstoffe aus der Nahrung aufzubereiten und den Organismus damit zu versorgen. Er stellt auch die größte Verbindung des Körpers zur Umwelt dar: durch die Darmzotten (fingerförmige Ausbuchtungen) vergrößert, soll die Oberfläche etwa einem Fußballfeld entsprechen. Nicht nur die Nahrung, sondern auch viele andere Stoffe wie z. B. Krankheitserreger gelangen über den Darm in den Körper. Im Darm wird sortiert, was in die Blutbahn gelangen darf und was als potentielle Gefahr unschädlich gemacht werden muss. Der größte Teil des Immunsystems - 70 bis 80 % - befindet sich im Darm. Selbst das Gehirn wird von der Darmgesundheit beeinflusst und so auch das gesamte Wohlbefinden und Verhalten des Hundes.


Welche Faktoren sind für die Darmgesundheit wichtig?

Damit der Darm all diese wichtigen Aufgaben erfüllen kann, muss er gesund sein. Wenn man von der Darmgesundheit spricht, meint man im Grunde nicht nur den Darm (Dünn- und Dickdarm), sondern man meint den gesamten Verdauungstrakt. Dieser fängt beim Hund im Maul an und endet beim Anus. Schon im Maul beginnt die Arbeit des Verdauungstraktes: Es werden erste potenzielle Gefahren z. B. in Form von Bakterien durch die Maulschleimhaut eliminiert und die Verdauung der Nahrung beginnt quasi durch die erste Zerkleinerung der Nahrung.


Wieso bekommen Hunde eher keine Karies?

Karies ist eine Erkrankung, bei der Bakterien den Zahnschmelz und das Zahngewebe angreifen und schädigen. Grundsätzlich haben Hunde schon deshalb ein geringeres Risiko, weil ihre Zähne einen härteren Zahnschmelz haben. Es gibt aber noch einen Faktor, der Karies beim Hund seltener auftreten lässt: das Enzym Amylase, ein Verdauungsenzym. Dieses Enzym gibt es an zwei Stellen im Körper, und zwar im Speichel und in der Bauchspeicheldrüse. Karies entsteht durch Bakterien, die sich von Monosacchariden ernähren. Monosaccharide sind Kohlenhydrate, die in einfacher Form vorliegen, wie z. B. im Haushaltszucker.
Andere (komplexe) Kohlenhydrate müssen erst aufgeschlossen werden, um sie in Monosaccharide umzuwandeln und hier kommt die Amylase ins Spiel. Der Hundespeichel enthält Amylase, wie unser Speichel. Die Speichelamylase ist beim Hund jedoch nicht aktiv wie bei uns Menschen, daher werden im Maul noch keine Kohlenhydrate in Monosaccharide aufgeschlossen. Da aber die Kariesbakterien nur mit Monosacchariden etwas anfangen können, gehen sie bei der Fütterung von Kartoffeln, Getreide und Co leer aus.


Wie läuft bei Hunden die Verdauung im Magen und Darm ab?

Im Magen findet eine erste Aufschlüsselung der Nährstoffe (Proteine) statt und durch die Magensäure werden viele Krankheitserreger eliminiert. Damit das alles gut funktioniert, ist eine ausgewogene Ernährung wichtig. Die Nahrung beeinflusst die Produktion der Magensäure und damit indirekt die Abwehr der Krankheitskeime sowie die erste Aufspaltung von Nährstoffen, außerdem auch den Zustand der schützenden Magenschleimhaut.

Im Dünndarm, wo die Nährstoffe weiter aufgespalten und über die schon erwähnten Darmzotten an den Blutkreislauf abgegeben werden, ist ein gesundes Milieu ebenfalls wichtig. Dort arbeiten die Enzyme, welche die Bauchspeicheldrüse produziert sowie auch die Galle, die von der Leber produziert wird, Hand in Hand. Bauchspeicheldrüse und Leber bilden die sogenannten Darmanhangsorgane und auch ihre Gesundheit hängt nicht zuletzt von der Darmgesundheit ab. Vermehren sich im Dickdarm zum Beispiel Bakterien, die vermehrt Toxine bilden (z. B. Clostridien), müssen diese Toxine von der Leber abgebaut werden.  Daraus kann eine Überlastung der Leber entstehen (vor allem, wenn noch weitere Belastungsfaktoren bestehen), was wiederum zur Folge haben kann, dass die Galle nicht mehr ausreichend produziert wird. Fehlt die Galle, kann sich das massiv auf die Verdauung von Fetten auswirken.

Was im Dünndarm nicht so klein aufgespalten werden konnte, dass es den Weg in den Blutkreislauf gefunden hat (z. B. Ballaststoffe), gelangt auf dem weiteren Weg in den Dickdarm. Im Dickdarm lebt der allergrößte Teil der Darmbakterien, nämlich rund 99 %. Diese Bakterien leben von solchen Nahrungsresten. Und weil die unterschiedlichen Bakterien von unterschiedlichen Resten leben, ist die Zusammensetzung der Darmbakterien von der Zusammensetzung der Nahrung abhängig. Auch beim Hund konnte festgestellt werden, dass ein hoher Anteil tierischer Proteine in der Nahrung dazu führt, dass sich der Anteil der bereits erwähnten Clostridien erhöht. Im Gegenzug haben es die Milchsäurebakterien, die für die Darmgesundheit sehr wichtig sind, deutlich schwerer. Stehen die Darmbakterien in einem ungünstigen Verhältnis, spricht man von einer Dysbakterie. Diese kann sich sehr negativ auswirken, z. B. dadurch, dass schlechte Bakterien Entzündungsverstärker produzieren.

Die letzte Station im Verdauungstrakt ist der Anus. Dort wird der eingedickte Rest der Nahrung als Kot ausgeschieden. Auch an dieser letzten Stelle spielt es eine Rolle, wie ausgewogen die Ernährung Deines Hundes ist, denn sie bestimmt die Beschaffenheit des Kots. Der Kot wiederum wirkt sich auf die Gesundheit der Analdrüsen aus. Zu harter oder zu weicher Kot kann die Funktion der Analdrüsen stören, was zu den recht häufig vorkommenden Analdrüsenverstopfungen und -entzündungen führen kann.
 

Was kann der Kot Deines Hundes Dir sagen?

Wie der Kot aussieht, welche Farbe er hat oder auch wie oft Dein Hund Kot absetzt, wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst.

Häufigkeit

Die Zusammensetzung des Futters beeinflusst, wie oft der Hund Kot absetzen muss. Je mehr pflanzliche Bestandteile enthalten sind, desto häufiger. Ein gesunder Hund setzt normalerweise 1- bis 2-mal am Tag Kot ab, dabei spielen aber auch Gewohnheiten eine Rolle. Außerdem wird die Häufigkeit auch von der Verdaulichkeit des Futters beeinflusst: Je höher verdaulich das Futter ist, desto weniger Kot wird abgesetzt. Fleisch ist beispielsweise hochverdaulich. Große Hunde neigen zudem dazu, häufiger Kot abzusetzen als kleine Hunde. Ein sehr häufiger Kotabsatz kann ein Hinweis sein, dass im Verdauungstrakt Störungen vorliegen.

Farbe

Auch die Farbe des Kots sagt einiges aus. Natürlich wird sie auch von den Nahrungsmitteln beeinflusst. So machen Milchprodukte oder auch Knochen den Kot heller, während Möhren zu einer Rotfärbung führen können und Blut (z. B. im rohen Fleisch) den Kot sogar schwarz färben kann. Ist die Ernährung ausgewogen und der Hund gesund, ist der Kot in der Regel braun bis dunkelbraun.

Beschaffenheit

Die Beschaffenheit des Kots ist z. B. wichtig für eine funktionierende Analdrüse, wie Du schon weißt. Der Kot sollte nicht zu hart und nicht zu weich sein. Er sollte gut geformt sein (wie eine Wurst), also weder matschig noch knubbelig auf der Wiese landen. Ist er zu weich, kann es sein, dass der Anteil an pflanzlichen Nahrungsmitteln wie Gemüse zu hoch ist. Ist er zu hart oder knubbelig, kann das Gegenteil der Fall sein. Der typische Knochenkot, wenn der Hund also einen zu hohen Anteil Knochen bekommen hat, ist hart und sehr hell. Bekommt Dein Hund Nassfutter, kann sein Kot ebenfalls weicher sein, da Nassfutter einen hohen Wasseranteil hat.
 

Wie äußern sich Verdauungsprobleme und was können die Ursachen sein?

Verdauungsprobleme können sich auf verschiedene Weisen äußern. Die typischen Symptome sind Durchfall, Erbrechen, Blähungen oder auch Verstopfung (z. B. Knochenkot). Auch Darmgeräusche können ein Hinweis sein, dass der Hund Verdauungsprobleme hat. Verstopfte Analdrüsen können ebenfalls ein Resultat von Verdauungsproblemen sein und äußern sich öfters dadurch, dass der Hund auf dem Po rutscht um dem Juckreiz nachzugeben.

Durchfall

Durchfall kommt bei Hunden relativ häufig vor und kann unterschiedliche Ursachen haben. Ein kurzfristiger Durchfall kann z. B. durch ungeeignete oder auch verdorbene Futtermittel hervorgerufen werden. Dieser Durchfall verschwindet in der Regel schnell wieder, sobald das Problem nicht mehr vorhanden ist. Hält der Durchfall länger an, ist der Durchfall schleimig oder kommt er immer wieder, kann es sich z. B. um eine bakterielle, virale oder auch parasitäre Infektion handeln. Oder es liegt möglicherweise eine Erkrankung vor wie eine Gastritis oder eine Lebererkrankung. Als Grundregel kann man sagen, dass ein kurzfristiger Durchfall, wie er z. B. durch ein falsches Futtermittel verursacht wird, durch eine 1- bis 2-tägige Nahrungskarenz und/oder eine mehrtägige Schonkost behandelt werden kann. Hält der Durchfall jedoch länger an oder kommt er immer wieder, sollte der Hund beim Tierarzt vorgestellt werden.

Erbrechen

Auch Erbrechen kann viele verschiedene Ursachen haben und es muss nicht immer eine ernsthafte Krankheit dahinterstecken. So können z. B. zu kaltes Futter, zu große Futtermengen oder zu hastiges Fressen zu Erbrechen führen. Es können aber auch Infektionen die Ursache sein oder eine Grunderkrankung dahinter stecken. Auch was der Hund erbricht, spielt eine Rolle. Hunde, die Probleme mit der Magensäure haben, erbrechen z. B. häufig nur Schleim. Wird das Futter ausgebrochen, kann das ein Hinweis auf eine Gastritis sein oder Richtung Pankreatitis gehen. Wie beim Durchfall gilt auch hier, den Hund zu beobachten und weitere Symptome zu berücksichtigen. Einmaliges und kurzfristiges Erbrechen kann man ebenfalls mit einer Nahrungskarenz und/oder Schonkost behandeln.

Blähungen

Blähungen können ebenfalls ein Hinweis darauf sein, dass die Darmgesundheit des Hundes aus dem Gleichgewicht geraten ist. Dabei kommt es darauf an, ob es sich um eine mehr oder weniger einmalige Angelegenheit handelt oder ob der Hund regelmäßig mit Blähungen zu tun hat. So können Blähungen ein Hinweis darauf sein, dass Nährstoffe im Darm nicht ausreichend aufgeschlossen werden und dass sich ungünstige Bakterien im Dickdarm vermehrt haben. Clostridien zählen beispielsweise zu den gasbildenden Bakterien. Sie vermehren sich, wenn der Hund viele schwer verdaulicher Proteine in seinem Futter bekommt (z. B. hohe Anteile schwer verdaulicher Schlachtabfälle mit hohen Bindegewebsanteilen).

Darmgeräusche

Hin und wieder mal Darmgeräusche sind wie bei uns Menschen auch beim Hund nichts Besonderes. Sie können durch die Bewegungen im Darm entstehen. Auch Blähungen, die hin und wieder mal vorkommen können, gehen mit Darmgeräuschen einher. Kommt es jedoch regelmäßig nach der Fütterung zu auffälligen Darmgeräuschen und zeigt der Hund zudem noch weitere Symptome wie Unruhe, streckt sich besonders häufig oder hat auffälligen Kot, kann es sich um eine Erkrankung handeln, wie eine Infektion oder gar eine chronisch entzündliche Darmerkrankung. Solche wiederkehrenden Unregelmäßigkeiten sollten immer vom Tierarzt abgeklärt werden.

Welche Rolle spielt die Ernährung bei Verdauungsproblemen?

Die Ernährung ist ein wichtiger Faktor für die Darmgesundheit Deines Hundes. Nur mit einer ausgewogenen und günstigen Form der Ernährung kann der Darm seinen Aufgaben adäquat nachkommen. Nicht nur der Organismus sondern auch die Darmbakterien müssen mit den richtigen Nährstoffen versorgt werden, damit sie ihren Aufgaben gut nachkommen können.

Das Futter Deines Hundes sollte Proteine, Kohlenhydrate, Fette, Vitamine und Mineralstoffe in einem ausgewogenen Verhältnis enthalten. Massive Überversorgungen können dabei genauso ungünstig wirken wie starke Unterversorgungen.
Du Deinen Hund gerne mit selbstgemachten Futterrationen versorgen möchtest, solltest Du auf jeden Fall vorher einen Blick auf Deinen individuellen Hund werfen, ehe Du Dich für eine Variante entscheidest. Natürlich sollte die gewählte Fütterungsform auch zu Deinem Lebensstil passen. In jedem Fall sollte gewährleistet sein, dass Dein Hund adäquat mit allen benötigten Nährstoffen versorgt wird.

Wie kann man die allgemeine Darmgesundheit unterstützen?

Um die Darmgesundheit Deines Hundes zu unterstützen, kannst Du einiges tun. Dabei spielt nicht nur die Ernährung eine Rolle, sondern die gesamte Lebensweise des Hundes:

  • Die Ernährung sollte ausgewogen gestaltet sein. Achte auf eine gute Versorgung mit wichtigen Ballaststoffen und füttere nicht zu viele schwerverdauliche Proteine. Das gilt auch für Snacks.

  • Achte bei der Futterzubereitung auf Hygiene, um die Vermehrung und Aufnahme von krankmachenden Keimen zu reduzieren.

  • Vermeide Stress und sorge für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Bewegung und Entspannung.

  • Medikamentengaben solltest du immer abwägen (nicht zu viel, nicht zu wenig), da diese sich negativ auch auf die Darmgesundheit auswirken können.

  • Lass Deinen Hund nicht aus stehenden Gewässern wie Pfützen trinken, da sich dort ebenfalls krankmachende Keime verbergen können.

Wenn Du diese Punkte beherzigst, bist Du auf einem guten Weg, die Darmgesundheit Deines Hundes bestmöglich zu fördern. Trotzdem kann es immer mal wieder zu Unregelmäßigkeiten kommen. Treten diese sporadisch auf, stellen sie in der Regel kein Problem dar. Kommt es jedoch wiederholt zu Problemen oder werden diese gar chronisch, sollte Dein Hund dem Tierarzt vorgestellt werden.

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