Angst und Stress bei Hunden

Angst und Stress bei Hunden

Viele Hundehalter haben mit Stress und Angst bei Hunden zu kämpfen. Besonders häufig leiden Hunde aus dem Tierschutz unter Ängsten und Unsicherheiten, es kann jedoch auch den Hund vom Züchter treffen. Die Ursachen dafür liegen häufig in der Prägungs- und Sozialisierungsphase, womit die ersten etwa 3 Monate nach der Geburt des Hundes gemeint sind. Aber auch der Umgang der Menschen mit dem Hund kann Stress und Angst beim Hund fördern.


Was ist Stress und welche Arten von Stress gibt es bei Hunden?

Stress ist zunächst einmal eine Körperreaktion, die an sich nicht negativ ist. Es handelt sich dabei um eine natürliche Reaktion auf psychische und/oder körperliche Belastungen. Man kann diese Reaktion auch als eine Art Anpassung an eine entsprechende Herausforderung einordnen. Aus evolutionärer Sicht war diese Reaktion ursprünglich sogar überlebenswichtig.

Der Organismus reagiert mit einer hohen Effizienz auf eine bedrohliche Situation, indem er auf eine Art Notfallmodus umschaltet. Alle Körperfunktionen, welche im Moment einer empfundenen Bedrohung überflüssig sind, werden herrunterreguliert. Aus diesem Grund sind Hunde in einer Stresssituation beispielsweise oft nicht in der Lage, ein Leckerchen anzunehmen. Stattdessen werden durch Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol, Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin alle Sinne geschärft und es wird Energie für eine Kampf- oder Flucht-Reaktion freigesetzt. Diese schnelle Reaktion kann in einer wirklichen Gefahrensituation lebensrettend sein. 

Wenn diese Reaktion jedoch unangemessen erfolgt und/oder wenn der Hund sehr häufig gestresst reagiert, kann sie belastend für den Organismus des Hundes und auch für sein Umfeld sein.


Angst

Angst kann man als einen natürlichen Auslöser von Stress betrachten. Es handelt sich dabei um eine biologisch durchaus sinnvolle Reaktion. Reagiert der Hund beispielsweise auf einen Menschen, der ihn bedroht und mit einem Stock schlagen will mit Angst und zeigt Fluchttendenzen, ist diese Reaktion völlig normal. Die normale, angeborene Angst kann Leben retten. Reagiert der Hund jedoch auf jeden Mann, der sich ihm nähert mit Angst, obwohl keine Bedrohung von diesem ausgeht, ist es keine natürliche Angst mehr.


Unsicherheit

Unsicherheit um die Reaktion auf eine Situation, die der Hund nicht als "Tagesgeschäft" einordnet. Er fühlt sich nicht wohl, weiß jedoch nicht recht, wie er reagieren soll. Solche Unsicherheiten führen dann oft ebenfalls zu einer Anpassungsreaktion, welche sich in den erlernten Strategien wie „Fight or Flight“ äußern kann, also Kampf oder Flucht. Unsicherheiten kommen häufig bei Hunden vor, welche keine ausreichende Prägungs- und Sozialisierungsphase durchlebt haben.


Woran erkenne ich Stress bei Hunden?

Stress und Angst bei Hunden können sich in verschiedenen Symptomen äußern. Die offensichtlichsten sind die schon erwähnten Tendenzen zu fliehen oder zu kämpfen. Es gibt jedoch auch einige subtilere Anzeichen dafür, dass der Hund unter Stress steht.

Anzeichen für Stress und Angst bei Hunden können sein:

  • Hecheln beim Hund

  • Speicheln beim Hund

  • Zittern beim Hund

  • Zurückgelegte Ohren beim Hund

  • Geduckte Körperhaltung beim Hund

  • Unterwerfungsgeste wie auf den Rücken legen

  • Eingezogener Schwanz

  • Beschwichtigungssignale wie z. B. Lecken über das Maul, Abwenden des Blicks oder Körpers

  • Hund erstarrt

  • Hund ist Schreckhaft

  • Knurren, drohen oder sogar angreifen (Fight)

  • Weglaufen, bzw. der Versuch sich zu entfernen (Flight)

Wie der Hund reagiert, hängt nicht zuletzt auch von seinem persönlichen Charakter und seinen erlernten Verhaltensmustern ab. Auch die individuelle Stress-Intensität, die der Hund empfindet, beeinflusst seine Reaktion. Mit der Zeit wird jenes Verhaltensmuster beibehalten, welches den größten Erfolg verspricht, bzw. in der Vergangenheit gezeigt hat. Da mit einem Kampf auch eine gewisse Gefahr sowie ein hoher Energiebverbrauch verbunden sind, würde der Hund zunächst einmal eher zur Flucht tendieren. Ist die Flucht jedoch nicht möglich und der Hund kann sich der bedrohlichen Situation nicht entziehen, kann es zu einer Aggression kommen. Frei nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung. Somit ist ein aggressiver Hund nicht immer gleich von Hausaus böse. Kann der Hund der Bedrohung entkommen, indem er vorschießt, kläfft, knurrt oder gar zuschnappt, wird die Strategie als erfolgreich eingestuft. Wohlmöglich etabliert der Hund diese Verhaltensstrategie für die Zukunft bei ähnlichen Bedrohungen. So kann es beispielsweise zu einer Leinenaggression kommen, denn der Hund an der Leine kann nicht fliehen.


Wodurch kann Stress bei Hunden ausgelöst werden?

Dafür, wie der Hund im Erwachsenenalter mit belastenden Situationen umgeht oderwelche Situationen er als angsteinflößend wahrnimmt, sind vor allem die Erfahrungen in den ersten 12-14 Lebenswochen maßgeblich. Diese Zeit nennt man daher die Prägungs- und Sozialisierungsphase. Sowohl durch schlechte Erfahrungen als auch durch zu wenige Erfahrungen werden in dieser Zeit wichtige Weichen gestellt. In diesen Wochen verfügt der Welpe über eine sehr hohe Lernfähigkeit, wie er sie später nie wieder haben wird. Was in dieser Zeit nicht gelernt wird, kann nur sehr schwer bis gar nicht nachgeholt werden. Macht der Welpe in dieser wichtigen Zeit zu wenige Lernerfahrungen, kann das zu Störungen in verschiedenen Verhaltensmustern führen und auch sein späteres Lernverhalten beeinträchtigen.

Auch ein gesund entwickelter Hund kann unter Stress oder Angst leiden. Es kann für den Hund Stress bedeuten, wenn er aufgrund von ungünstiger Verteilung der Aktivitäten unter- oder überlastet ist. Besonders Überaktivität kann dazu führen, dass der Hund ständig "unter Strom" steht und nicht mehr zur Ruhe kommen kann. Extreme Wetterverhältnisse wie Gewitter oder Stürme können Stress und Angst bei Hunden auslösen. Diese Ängste sind evolutionär als relativ normal zu betrachten. Denn in der freien Wildbahn kann es durchaus lebensgefährlich sein, wenn man sich bei einem schweren Sturm oder Gewitter nicht schnellstens an einen sicheren Ort begibt. Ein Hund, der nur das Landleben kennt, kann in der Stadt mit viel Verkehr und Menschen ebenfalls gestresst reagieren.

Hin und wieder eine Stresssituation zu durchleben, ist für den Hund natürlich kein Problem, zumal es ja auch den positiven Stress gibt. Positiver Stress kann beispielsweise sein, wenn eine besondere Leistung gefordert wird, wie bei einer Sportart oder auch beim Jagen. Auch in diesen Situationen fokussiert sich der Organismus auf die Herausforderung und ermöglicht so, diese Situationen gut meistern zu können. Damit die Stresshormone den Organismus nicht unnötig belasten, ist auch gleich eine Art „Ausschalter“ eingebaut: durch Bewegung werden die Hormone wieder abgebaut.

Grundsätzlich ist es natürlich nicht möglich, sämtlichen Situationen aus dem Weg zu gehen, welche Stress verursachen können. Ein gesundes Maß Stress darf sein. Allerdings sollte Stress nicht zum Dauerzustand werden, denn darunter kann die Gesundheit des Hundes leiden.

 

Welche Folgen kann Dauerstress bei Hunden haben?

Stress und Angst bei Hunden führen zunächst zu einem Anstieg der Stresshormone Cortisol, Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin. Diese Hormone sorgen dafür, dass der Körper nun bereit ist, sämtliche Energie für die Gefahrenabwehr bereitzustellen. Sie versetzen ihn in Alarmbereitschaft und regulieren alle überflüssigen Körperfunktionen nach unten. Werden diese Stresshormone jedoch nicht wieder abgebaut, sondern sind permanent erhöht, ist der Körper irgendwann erschöpft. Eine solche Erschöpfung kann sich in vermehrter Unruhe, Schlaf- und Konzentrationsstörungen oder sogar Verdauungsbeschwerden äußern. Die länger anhaltende vermehrte Produktion von Cortisol kann sogar das Immunsystem schwächen und den Hund anfälliger für diverse Erkrankungen werden lassen. Dauerstress kann also krank machen.


Wie kann man Stress bei Hunden vermeiden?

Grundsätzlich ist es wichtig, den Tagesablauf und das Umfeld des Hundes ausgewogen zu gestalten. Das bedeutet, man sorgt dafür, dass ein gesundes Verhältnis zwischen Entspannung und Anspannung besteht. Der Hund darf ruhig die eine oder andere Situation im normalen Tagesgeschehen haben, welche ihn herausfordert und so auch Stress aussetzt, denn es wäre es genauso ungesund, den Hund von sämtlichen Herausforderungen fernzuhalten. Zeigt Dein Hund in besonderen Situationen jedoch Stresssymptome, wie sie weiter oben beschriebenen sind, solltest Du ihm aus dieser Situation heraushelfen. Merkst Du als Beispiel auf der Hundewiese, dass Dein Hund sich durch die vielen anderen Hunde bedrängt und daher gestresst fühlt, solltest Du die Situation ruhig abbrechen und mit Deinem Hund die Hundewiese verlassen. Lass Dir bitte von niemandem erzählen, Dein Hund würde das schon selber regeln.

Auch über die Ernährung kannst Du beeinflussen, wie gut oder schlecht Dein Hund mit Stress umgehen kann. Eine ausgewogene Ernährung ist eine wichtige Voraussetzung für ein ausgewogenes Gemüt. Ist die Ernährung unausgewogen, kann das unliebsame Verhaltensveränderungen auslösen. Ein sehr hoher Proteingehalt im Futter kann dazu führen, dass der Hund mit erhöhter Aggression reagiert. In Studien zeigte sich, dass die Senkung des Proteinanteils die Aggressivität bei Hunden verringerte. Vollwertige Kohlenhydrate wie Vollkornflocken, Vollkornnudeln oder Vollkornreis können ebenfalls dazu beitragen, dass der Hund gelassener reagiert. Beide Punkte sollen Untersuchungen zufolge die Aufnahme von der Aminosäure Tryptophan unterstützen. Warum diese Aminosäure so wichtig ist, erfährst Du im Verlauf dieses Textes.


Was kann man tun, wenn Hunde Stress haben?

Wenn Dein Hund schon ein Problem mit einer erhöhten Anfälligkeit für Stress hat, kannst Du einiges tun, um ihm zu helfen. Zunächst solltest Du seinem Tagesablauf besondere Aufmerksamkeit schenken. Achte darauf, dass Dein Hund ausreichend Erholungsphasen hat, um zur Ruhe zu kommen. Da Stress durch Bewegung abgebaut wird, solltest Du Deinem Hund nach Stresssituationen eine "Extraportion" Bewegung gönnen. Viele Hunde zeigen übrigens durch Schütteln an, wenn sie die Stresssituation hinter sich gelassen haben.

Auch den Futternapf kannst Du besonders "präparieren", damit Dein Hund von innen unterstützt, gelassener reagieren kann. Die folgenden Nährstoffe können Deinem Hund dabei helfen, mit Stress besser umzugehen:

  • Sämtliche B-Vitamine haben einen beruhigenden Einfluss. Besonders Vitamin B3 hat eine angstlösende Wirkung.

  • Magnesium wirkt ebenfalls beruhigend und entspannend. Es dämpft die Bildung der Stresshormone und reguliert die Nervenfunktionen. Der Magnesiumbedarf kann durch erhöhten Stress ansteigen.

  • Zink wirkt beruhigend, weil es die Erregung der Nervenzellen dämpft und Aggression mindert. Ein Mangel kann Schreckhaftigkeit und Ängste verstärken. Außerdem fördert er Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit und Lernschwächen.

  • Die essentielle Fettsäure Omega-3 kann die Gehirnleistung unterstützen und angstlösend wirken.

  • Die Aminosäure Tryptophan wird für die Bildung von Serotonin (das sogenannte Glückshormon) benötigt und kann so helfen, Stress zu reduzieren. Ein Serotoninmangel kann aggressives Verhalten und/oder Ängste hervorrufen. 

Auch Kräuter können den Hund bei Stress unterstützen:

  • Baldrian ist bekannt für seine beruhigende Wirkung. Es wirkt dämpfend auf das vegetative Nervensystem und entkrampft die Muskulatur.

  • Hopfen hat eine sedierende und einschlaffördernde Wirkung. Zudem wirkt er beruhigend auf den Verdauungstrakt, was hilfreich sein kann, wenn der Stress dem Hund auf den Magen schlägt.

  • Die Passionsblume hat eine sedierende und krampflösende Wirkung. Der Hund wird unempfindlicher gegen äußere Reize und seine Konzentrationsfähigkeit wird angeregt.


Wie kann man ängstlichen Hunden aus der Angst helfen?

Wenn Du einen Hund hast, der regelmäßig unter Stress und Angst leidet, solltest Du Dir in jedem Fall zusätzliche Unterstützung durch Hundetrainer und/oder Verhaltensberater suchen. Diese können Dir dabei helfen, die Situationen besser zu managen, in denen Dein Hund in Angst verfällt. Auch Dein Hund kann davon profitieren, indem er im Training mit Dir gemeinsam Strategien erlernt, mit der Angst besser umzugehen. Eine Kombination aller genannten Maßnahmen wie Strukturierung des Alltags, Prävention über die Ernährung und Ergänzungen sowie durch Profis angeleitetes Training können helfen Stress und Angst beim Hund zu reduzieren.

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachte, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen.